Versorgungsysteme in Stadt und Land neugedacht!

13.01.2021 | IAL
Mittels ÖPNV-Zustelllogistik zur nachhaltigen Landlogistik – Das Physical Internet hilft dabei

Gerade durch die Corona Pandemie legt die Defizite in der Versorgung der ländlichen Regionen offen. Vorhandene freie Kapazitäten im Transport auf privater und öffentlicher Seite, wie z. B. ÖPNV-Systeme, werden bisher wenig genutzt. Ein Ansatzpunkt den ohnehin wirtschaftlich oft defizitären Betrieb zu verbessern. Die Zustelllogistik der Paketdienstunternehmen ist in zersiedelten Räumen ebenso wenig erfolgreich und kann die Online-Bestelloption von Waren in der Umsetzung dauerhaft nur mit geringem Zustellservice aufrechterhalten.

Ein Logistiksystem für den ländlichen Raum („Rural Logistics“) ist gefordert, das alle Beförderungsoptionen, unabhängig davon ob Personen- oder Warentransport, zusammenbringt und diese gemeinsam in Transport oder Mobilitätsketten nutzt. Damit würde man sogar das Paradigma aufgeben, dass Personenverkehrssysteme unabhängig von Gütertransportsystemen geplant sein sollten. Wie notwendige und freie Kapazitäten genutzt werden, den Versorgungsdefizite in ländlichen Räumen zu begegnen, zeigt die Idee des „Physical Internet“.

Das Physical Internet steht für die Idee jede Ware und jedes Gut mit einer klaren Identifikation zu versehen, beispielsweise mittels RFID-Technologie. Diese Kennzeichnung (Smart Tags) enthält die wichtigsten Informationen zu dem Transportgut. Das Transportgut kann jederzeit lokalisiert und identifiziert werden. Somit kann die Ware mittels jeder frei verfügbaren Transportmöglichkeit weiterbefördert werden. Freie Kapazitäten könnten optimal genutzt und überflüssige Wege eingespart werden. Diese Vernetzung hat zum Vorteil, dass sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile genutzt werden. Verkehrsbewegungen verringern sich und somit auch Umweltbelastungen.

„Am Ende ist es fast egal ob das Objekt, das von A nach B muss ein Paket oder ein Mensch ist, der einzige Unterschied ist, dass ein Mensch nicht immer planbar bestimmt, wohin er spontan möchte“ so Prof. Dr. Müller-Steinfahrt. „Innovative Ideen für ein beständiges Problem entstehen eben nur, wenn man sich von bestehenden Gedankenwelten verabschiedet und etwas neu denkt“, so Müller-Steinfahrt weiter. „Die helfen hier!“

Das Institut für angewandte Logistik (IAL) wird sich vor diesem Hintergrund weiterhin verstärkt mit den Versorgungssystemen im ländlichen Raum beschäftigen und die Analogien eines Physical Internet aber auch für die Herausforderungen von Megacities und Städten nutzen.

alle Forschungsfelder IAL